Zivildienst: Ein ehemaliger Zivildiener erzählt | 1 2 3 |
Zivildienst bei der Lebenshilfe ist eine spannende Sache, bei der man viele wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Tomas Dabrowski erzählt von seinem Zivildienst im Lebenshilfe-Wohnhaus.

"Ein Brief von der Zivildienstbehörde in meinem Postkasten. Völlig überstürzt sprintete ich drei Stockwerke hoch ich in meine Wohnung, riss das Kuvert auf und las: „… Lebenshilfe … Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung…“ Mein erster Gedanke war „Wow!“, innerhalb eines Augenblicks wurde ich in eine andere, mir völlig fremde Welt katapultiert. Sofort ‚googlen’, was sich denn hinter diesem Verein verbirgt – hörte sich zwar alles sehr nett an, aber man hat ja diese paar Gruselgeschichten von Freunden und deren Freunden im Kopf, wie schlimm ja nicht der Zivildienst sein kann.
Wochen später saß ich 16 anderen „Männern“ gegenüber, die genauso wenig Ahnung hatten wie ich, wie das nächste Jahr sein würde. In der Einführungswoche hat man uns alles mal grob erklärt, der Erste-Hilfe-Kurs ward absolviert, noch war alles gut, man war ja in der Gruppe. Doch mit einer Gehirnhälfte war man bereits bei den kommenden Wochen.
Und dann kam sie plötzlich, die erste Woche am Arbeitsplatz des kommenden Jahres, in meinem Fall ein Wohnhaus am Rande von Floridsdorf. Mein Magen rebellierte noch etwas, als ich von der Leiterin empfangen wurde, die ersten Klienten und Betreuer sowie meine Zivildienstkollegen kennen lernte, aber dann schnell draufkam, dass das alles überhaupt nicht so schlimm war wie in meiner Vorstellung. Am Anfang rannte ich ein bisschen wie ein kopfloser Hahn durch die Gegend, da alles so neu war und so kompliziert erschien. Doch schon sehr bald entwickelte ich einfach Routine in vielen Dingen oder fragte einfach eine/n MitarbeiterIn, der/die mir immer einen Rat geben konnte.
Am interessantesten an der Arbeit fand ich aber die Entwicklung meiner Beziehung zu den Klienten, die im Haus lebten. Die ersten Tage bestimmte noch etwas die Schüchternheit auf beiden Seiten, die Unsicherheit wie man sich in Situationen verhalten soll und viele andere Überraschungen. Sehr bald war man den Menschen aber vertraut und entwickelte teilweise sogar Freundschaften. Schließlich war ich ein Teil von ihrem Leben und sie ein Teil von meinem.
Und bin es heute noch. Die Zivildienstzeit hat mir viele Sachen aufgezeigt, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte. Ich habe viel über das Leben gelernt, speziell über mein eigenes, und habe mich auch entschlossen, weiterhin in diesem Bereich arbeiten zu wollen. Seit September 2006 besuche ich die Fachhochschule für Sozialarbeit und arbeite weiterhin – diesmal als Betreuer – im Wohnhaus. Das ist natürlich nicht jedermanns Sache, doch der Zivildienst kann mit einer Mischung aus Offenheit, Engagement und Lebensfreude für jeden zu einer schönen und interessanten Zeit werden."