Rund um den internationalen Tag der Menschen mit Behinderung fand am 2.Dezember 2008 eine Workshoppräsentation der Demokratiewerkstatt von und für Menschen mit intellektueller Behinderung im Parlament statt.
An die 100 Teilnehmer aus Politik, NGO´s und Betroffenenkreisen waren der Einladung des 2.Nationalratspräsidenten (vormals Michael Spindelegger) gefolgt , um der Präsentation der Entstehungsgeschichte, des Verlaufs und der Ergebnisse zweier Workshop-Tage der Demokratiewerkstatt für Menschen mit intellektueller Behinderung beizuwohnen. Die Demokratiewerkstatt soll ursprünglich Kindern und Jugendlichen parlamentarische Strukturen vermitteln, die (demokratische) Selbstartikulation fördern und die Medienkompetenz entwickeln. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die selbsttätige Erarbeitung von Themen unter Einbringung der jeweils eigenen Lebenswelt und im Austausch mit ParlamentarierInnen gelegt. Auf Initiative von Franz-Joseph Huainigg und Christine Lapp wurde 2008 der NutzerInnen-Kreis auf Menschen mit intellektueller Behinderung bzw. Lernschwierigkeiten ausgeweitet. Bisher fanden zwei Workshop-Tage statt (am 2.April sowie am 5.November 2008). Experten in eigener Sache aus verschiedenen Organisationen kamen zusammen. Von der Lebenshilfe Wien waren Heidi Tomacek, Robert Saugspier, Sepp Hochmeister, Wolfgang Tempfer, Peter Rausch, Martin Schwerter, Kurt Winkler und Irene Marek dabei.
Unter der Moderation von Thomas Weissenbacher, Selbstvertreter von Vienna People First, stellten drei Workshop-Gruppen ihre Arbeit zu folgenden Themen aus Sicht der Menschen mit intellektueller Behinderung vor:
- Gute Unterstützung und Barrierefreiheit
- Arbeit in Beschäftigungstherapien und Werkstätten
- Sachwalterschaft
Nachdem Selbstvertreter auf dem Podium ihren Bezug zu obigen Themen mit persönlichen Beispielen illustrierten, wurden einige Forderungen an die anwesenden PolitikerInnen aller Parteien gerichtet, darunter die BehindertensprecherInnen Christine Lapp (SPÖ), Franz-Joseph Huainigg (ÖVP), Karl Öllinger (Grüne) und Sigisbert Dolinschek (BZÖ). Menschen mit intellektueller Behinderung wollen in der Öffentlichkeit mit ihren politischen Anliegen wahrgenommen werden, und wollen als Experten in eigener Sache ihre Anliegen selbst vertreten. Einige markante Forderungen:
- Behindertengerechte Ticket-Automaten, größere Beschriftungen in U-Bahn-Stationen
- Längere Grünphasen für Fußgänger-Übergänge
- Mehr Taschengeld in der Beschäftigungstherapie
- Fahrtengeld für Menschen mit längerer Anreise in die Beschäftigungstherapie
- Sachwalter sollen mehr zuhören, mehr erlauben, sich mehr und freundlich um die besachwaltete Person kümmern und selbst nicht älter als 60 Jahre sein.
Besonders eindrucksvoll wurde der an sich schon bemerkenswerte Auftritt von Menschen mit intellektueller Behinderung im Parlament mit Polit- und Medien-Präsenz durch die Präsentation der von den Workshop-Teilnehmern ausgearbeiteten Multimedia-Produkte: so wurden ein Kurzfilm mit Lokalaugenschein und Interviews in der U3-Station Volkstheater zum Thema Barrierefreiheit gezeigt und die erstellten Zeitschriften zum Thema Mitbestimmung und Anti-Diskriminierung zum Mitnehmen angeboten.
Die Demokratie-Werkstatt ist eine gelungene Initiative der Höherqualifizierung und für mehr demokratische Mitbestimmung von Menschen mit intellektueller Behinderung und findet hoffentlich bald ihre Fortsetzung.
5.Dezember 2008 / lhw BS
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