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Widerstand gegen Euthanasie führte zum heimlichen Morden

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Die Ermordung kranker und behinderter Menschen führte zu Unruhe in der Bevölkerung. Offiziell wurde die Aktion T4 1941 beendet, inoffiziell wurde die systematische Ermordung in den Gaskammern perfektioniert und war das schreckliche Training für die Vergasung und Ermordung von Millionen Juden.

 

Die einstige Kinder-Pflegeanstalt im Schloss Hartheim bei Linz spielte dabei eine besonders traurige Rolle als Entwicklungsstätte der perfekten Gaskammern.

Das Duo Karl Brandt/Philipp Bouhler erhielt nach internen Querelen auch die Oberhoheit über die Erwachsenen-Euthanasie. Am 17. Februar 1939 wurde die Kinder-Pflegeanstalt Hartheim bei Linz von der NSDAP enteignet. In weiterer Folge gab man einen Erlass zur Erfassung der Pflegeanstalten heraus. In Polen wartete man nicht einmal die Ermächtigung Hitlers zur Euthanasie ab. Ernst Klee zufolge begann beispielsweise im Krankenhaus Kocborow bei Bromberg der Massenmord an Geisteskranken bereits zwei Tage nach der Kapitulation der polnischen Armee -- also am 29. September. Bis 1. November wurden dort 2.342 Menschen getötet, berichtet Klee.

Auch in Westpreussen begannen Patiententötungen. Im Wald von Piasznicz erschossen SS-Kommandos mehrere Wochen hindurch Kranke aus Pommerschen Anstalten. Doch erst die Ermächtigung Hitlers gab die "Legitimation", die Aktion T 4 organisiert durchzuführen. 1940 fand eine "Probevergasung" in der Zuchtanstalt Brandenburg statt, während in Polen bei der Beseitigung von Patienten bereits fahrbare Gaskammern eingesetzt wurden

Das System der Ermordung wurde immer ausgeklügelter: Zum Transport der Patienten von den "Pflege"- in die Vergasungsanstalten wie Hartheim oder Grafeneck wurde die Gemeinnützige Kranken-Transport-G.m.b.H. (Gekrat) gegründet. Im April 1940 bekam die Aktion T 4 dann ihren Namen: Der größte Teil der Euthanasie-Verwaltung zog in die Tiergartenstrasse 4 in Berlin-Charlottenburg um. Die Namensgebung "T4" erfolgte nach der Adresse.

Die Ermordung von Hunderten und Tausenden von Menschen blieb naturgemäß nicht unbemerkt. Im Sommer 1941 berichtete bereits die britische BBC in ihren Sendungen für die Wehrmacht über die Massentötungen. Am 3. August 1941 predigte Bischof Clemens August Graf von Galen in eindeutiger Weise gegen die Euthanasie. Es folgten drei Wochen Ratlosigkeit unter den Nazis, die Überlegungen gingen bis zur Tötung des -- laut Klee ansonsten nicht sehr nazifeindlichen -- Geistlichen.

Dass der Bischof nicht hingerichtet wurde, hatte er der Angst der Machthaber vor kirchlichen Märtyrern zu verdanken. Am 24. August wurde die Euthanasie -- quasi offiziell, denn eigentlich war sie ja immer geheim -- von Hitler gestoppt. Ersichtlich ist dies unter anderem aus einem Aktenvermerk des Bernburger Tötungsdirektors: "Die Arbeit der Gemeinnützigen Stiftung für Anstaltspflege und damit der gesamten Anstalten ruht seit dem 24. August 1941 (...)", zitiert Klee. Der Aktenvermerk stammt Klee zufolge übrigens vom Jänner 1943, was bedeutet, dass der Stopp so endgültig nicht war.

Tatsächlich ging die Euthanasie weiter wie zuvor -- auch in der Zentrale von T 4. Die drei im August verbliebenen Vergasungsanstalten -- Bernburg, Sonnenstein und Hartheim -- hielten ihre Kammern einsatzbereit. In weiterer Folge wollte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Tötungskapazitäten von T 4 nutzen. Bei den Verantwortlichen lief dieses "Projekt" unter dem Begriff "Sonderbehandlung 14 f 13" oder "Aktion 14 f 13", die Häftlinge nannten es "Invaliden-Aktion". Auch hier spielte die Anstalt Hartheim bei Linz eine besonders traurige Rolle.

Die Euthanasie begann, wo immer die Wehrmacht einfiel -- auch in der Sowjetunion, wo zunächst die aus SS, Gestapo, SD (Sicherheitsdienst) und Kriminalpolizei gebildeten "Einsatzgruppen" verantwortlich für die Morde an Juden, Zigeunern, Kommunisten, Geisteskranken und anderen waren. Eine für diese Tötungen typische Meldung: "(...) Die Beseitigung asozialer Elemente führte zur Unschädlichmachung von über 800 Zigeunern und Geisteskranken."

Die Technik der Gaskammern von T 4 hatte sich für die Mörder bewährt. Nicht zuletzt führten psychische Probleme der Mannschaften der "Einsatzgruppen" dann zum Einsatz in noch weit größerem Umfang: bei der Vernichtung der Juden.